Jamin Benazzouz | Wie viel Heimat
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Wie viel Heimat

Fotobuch / D 2013 / 84 Seiten
Fotografie und Text: Jamin Benazzouz

»Mit einem Taxi fahre ich nach Constantine. Es heißt Taxi Collectif. Man fährt erst dann los,
wenn sich genug Mitfahrer für ein bestimmtes Ziel gefunden haben. Nach zweistündigem Warten
beginnt die Reise.
Neben mir und dem Fahrer sitzen noch sechs weitere Männer im Auto. Da alle Fenster heruntergekurbelt
sind, peitscht der Wind. Der Fahrer steckt sich eine Portion Kautabak unter die Oberlippe. Nach vier
Stunden Fahrt machen wir eine Pause auf einem Rastplatz. Gegenüber der Herrentoilette sind
die Gebetsräume für die Männer.
Mein Sitznachbar zeigt mir Fotos von sich in Uniform. Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl – ich halte
die Konversation so kurz wie möglich. Er bittet seinen Vordermann um einen Schluck von dessen Kaffee.
Ich rätsele, ob die Beiden sich kennen oder nicht. Bevor mein Nachbar trinkt hält er mir den Becher hin.
Mit schlechtem Gewissen nehme ich einen kleinen Schluck. Der Kaffee ist viel zu süß.
Wir sind nicht mehr auf der Autobahn. Der Wind bläst nicht mehr so laut. Drei Mitfahrer unterhalten
sich lautstark. Ich verstehe kein Wort. Plötzlich fragt mich der Fahrer, ob ich den Ramadan einhalten
und beten würde? Ich antworte mit nein. Ob ich denn kein Moslem wäre? Ich verneine wieder.
Vielleicht würde ich ja noch zum rechten Glauben finden, sagt er, inch’Allah.«

Auszug aus WIE VIEL HEIMAT